Meine Erfahrungen mit Parkinson
Zitat von Viktor Frankl: „Wenn wir eine Situation nicht mehr ändern können, sind wir gefordert, uns selbst zu ändern.“
Liebe Mitstreiterin, lieber Mitstreiter, liebe Angehörige,
hier ein Einblick eines Betroffenen und damit aus eigener Erfahrung: Es begann mit einer gelegentlich zittrigen rechten Hand. Irgendwann endete ich dann bei meinem Neurologen und er nannte es Parkinson. Mit all seinem Charme eröffnete er mir die Nachricht: “Sie haben Parkinson”, unmittelbar gefolgt von „An Parkinson stirbt man nicht!“ und „Es gibt Medikamente, mit denen kann man das ganz gut managen“ (na Gott sei Dank.) und dann: “Bewegen, bewegen bewegen!”
Dann tauchten bei mir die Fragen auf:
Was bedeutet das nun für mich / uns?
Welche Fragen muss ich jetzt wem stellen?
Welche Informationen benötige ich und wo finde ich sie?
Wer hilft mir bei all dieser Unsicherheit?
Das Rezept der Schulmedizin für die „ewige Jugend“ ist bestechend simpel: Ein paar Pillen mehr, den Speiseplan auf „spaßbefreit“ umstellen und sich bewegen, bewegen, bewegen. Und wenn man müde ist? Noch mehr bewegen.
Als ich die Botschaft endlich erfasst hatte – zumindest in dem Körperteil, der nicht gerade mit unkontrolliertem Zittern beschäftigt war – blieb nur ein Gedanke: Was ist denn jetzt bitte los? Willkommen in meinem neuen, etwas zittrigeren Leben.
Es folgten die üblichen Begleiterscheinungen einer Lebenskrise: Diskussionen, philosophische Gedankenspiele und gut gemeinte Beruhigungsversuche von allen Seiten. Während ich noch bestrebt war, die Kaffeetasse unfallfrei zum Mund zu führen, begab sich meine Frau auf digitale Schatzsuche. Bewaffnet mit Laptop und Smartphone durchforstete sie das Internet nach allen Regeln der Kunst – Google weiß alles. Wir wissen nun (fast) alles (haha) – von kurz bevorstehenden wissenschaftlichen Durchbrüchen bis hin zu Theorien, dass nur bestimmte „Perlen“ helfen, vermutlich aber nur bei Vollmond.
Dann stand ich bei meinem Osteopathen / Physiotherapeuten. Mit all seiner Überzeugungskraft beruhigte er mich zuerst um mich dann zu ermutigen: „Bewegen, bewegen, bewegen!“ – Ach was, echt? Danke für den Tipp! Den kannte ich ja noch gar nicht. Schließlich stellte ich die entscheidende Frage: „Kennen Sie eigentlich eine Parkinson-Selbsthilfegruppe?“ Und siehe da, er wusste eine: in Traunstein.
Auf zur SHG! Mein erster Besuch war ein wahres Feuerwerk an Highlights. Hier die „Best-of der Parkinson-Hits“: Bewegen, bewegen, bewegen (schon wieder!) ... Medikamente nach der Stoppuhr einnehmen ... bis hin zur tiefen Hirnstimulation (! was ist das denn?!).
Beim erneuten schüchternen Blick in die Runde kam das große „Oweia“. Viele Mitstreiter waren deutlich schlechter dran als ich. Und dann fielen die Sätze des Abends, die meinen Optimismus vollkommen überforderten: „Was nicht mehr geht, geht nicht mehr – akzeptieren und das Beste daraus machen. Stress unbedingt vermeiden.“ und ja, “bewegen, bewegen, bewegen”.
Diese Empfehlungen waren für mich die wichtigste Lehre für mein „neues“ Leben. Es war vor allem der ungebrochene Mut und die Zuversicht der anderen Betroffenen, die mich tief beeindruckt haben. Das habe ich damals so empfunden, und das unterschreibe ich heute noch. Und heute: Werde ich nachts wach und mir fällt umgehend folgendes ein: 1) Bewegen, bewegen, bewegen 2) Was nicht mehr geht, geht nicht mehr – akzeptieren und das Beste daraus machen. Stress unbedingt vermeiden.“ 3) Na gut, dann versuche ich doch besser noch eine Stunde zu schlafen. Und am Vormittag: Oh, ich habe meine Medikamente noch nicht eingenommen.
Ein großes Danke geht an:
Meine Frau: Für die unermüdliche Unterstützung im Alltag und die Stunden bei Google.
Meinen Neurologen und Therapeuten: Für die fachkundige, professionelle Betreuung und die (manchmal nötigen) Motivationskünste.
Die SHG: Danke für die angenehmen Gespräche, die tatsächlich gutgetan und ermutigt haben. Ehrlich gesagt: Ich möchte sie nicht mehr missen!
Gottfried Winkler
